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Gesundheit ist auch Hautsache

Fakire liefern einen Beweis dafür, wie widerstandsfähig die menschliche Haut ist. Die asketischen Leichtgewichte sind meist Mitglieder eines religiösen Ordens und betten sich mit Vorliebe auf einem Nagelbrett. Der Trick dabei ist allerdings eine ausreichend große Menge an Nägeln, damit sich der Druck des Körpergewichts auf möglichst viele Nagelspitzen verteilt und so die Haut unbeschadet lässt.
Die Haut bildet die äußere Oberfläche des Körpers und hat vor allem eine Aufgabe: den Schutz des Körperinneren. Der schwerwiegendste Schaden an der Haut entsteht durch die Sonne. Während Tiere durch ihr Fell geschützt sind, bildet beim Menschen evolutionsgeschichtlich das Kopfhaar den Schutz des am meisten der Sonne ausgesetzten Schädels. Den Rest der unbedingt notwendigen Schutzfunktion sollte die Kleidung erledigen.
Die Haut...
  • schützt unser Inneres vor chemischen und mechanischen Schädigung und Mikroorganismen
  • reguliert die Wasserverdunstung, verhindert Wasserverlust
  • wirkt als Wärmeregulator durch Verengung oder Erweiterung der Hautgefäße beziehungsweise Schwitzen
  • vermittelt Sinneseindrücke, wie Berührungen, Schmerz oder Temperatur.
Die Oberhaut hat keine Gefäße und ist der wichtigste Teil der Haut mit einer Dicke von 0,04 mm (Augenlid) bis 1,6 mm (Handfläche, Fußsohle). In der Epidermis entstehen alle sichtbaren Reaktionen von Allergie bis Sonnenbräune. Die wellenartige Basalschicht produziert ständig neue Zellen, die „nach oben“ geschoben werden. Auf diesem Weg verändern sich die Zellen.

Die Epidermis teilt sich in die untere Keimschicht, in der das Hautwachstum stattfindet (in der Abbildung rosa-lila) und die obere Hornschicht. Die Keimschicht besteht aus einer Basalschicht, die permanent neue Zellen produziert, sowie Stachelzellen, deren stachelförmige Ausläufer sich ineinander verankern und so das Gewebe festigen. Außerdem findet man dort jene melaninbildenden Zellen, die durch Bräunung die Basalschicht als Ursprung der Haut vor Sonnenschäden schützen. Die ebenfallsdort befindlichen Langerhans-Zellen sind ein Teil des Immunsystems der Haut. Sie zeichnen für die optische Sichtbarkeit von allerlei Reizungen und Rötungen verantwortlich.
Feuchtigkeit der Haut kommt von Innen
Auf dem Weg nach oben verlieren die Zellen der Basalschicht an Wasser, der Fettgehalt wird höher und sie bilden damit die erwähnte Barriere gegen Wasserverlust. Deshalb ist bei einer trockenen Haut die Fettzufuhr wichtiger als Feuchtigkeit zu spenden, denn der überwiegende Teil der Feuchtigkeit der Haut kommt von innen. Das Leben in der Keimschicht funktioniert bei genügend prall gefüllten Zellen besser, die Haut bewältigt so manche Umwelteinflüsse oder Vergehen leichter. Paradoxerweise trocknen Vollbäder die Haut aus, da sie – vergleichbar einem Teebeutel – die wasserbindenden Nährstoffe aus der Haut lösen.

Neue Studienergebnisse, die sogar mit dem Nobelpreis belohnt wurden, zeigen, dass die Feuchtigkeitsversorgung der Haut sogenannte Aquaporine übernehmen. Das sind Wasserkanäle, die im Alter, durch UV-Strahlung, Heizungsluft, Stressfaktoren und Umweltbelastung abnehmen. Es wurden bereits Kosmetikas entwickelt, die die Anzahl der Wasserkanäle erhöhen.

In der Hornschicht sind Keratozyten für die Härtung der Zellen zuständig. Sie wandern aus der Basalschicht mit und werden jetzt aktiv. Die Zellen verflachen und verhornen durch das gebildete Keratin und besitzen nun keinen Kern mehr. Die Hornschicht bildet das Barriere- und Speichersystem der Haut. Es bindet aufgetragene Stoffe und gibt diese langsam ab – und es verhindert ein Eindringen von Bakterien und Pilzen. Allerdings wird die Hornschicht zwar unmerklich, aber doch relativ rasch abgenutzt. Die Zellstrukturen lösen sich gänzlich auf und fallen in kleinen Schüppchen ab. Deshalb muss sie ständig von innen her nachgebildet werden. Der Zyklus einer völligen Erneuerung sämtlicher Zellen der Oberhaut dauert etwa vier Wochen.
Hautalterung ist vorprogrammiert
Unter der Basalschicht befinden sich die elastischen Strukturen von Kollagen und Elastin, sowie Schweißdrüsen, Haarwurzeln und versorgende Blutgefäße. Nervenbahnen sind für den Tastsinn und alle weiteren Empfindungen wie Druck, Berührung, Schmerz, Temperatur und Juckreiz verantwortlich.

Beim Alterungsprozess der Haut verliert das Kollagen seine Flexibilität, seine Quellfähigkeit geht verloren, die Elastinfasern büßen ihre Elastizität ein und die Keimschicht verlangsamt die Produktion. Seifen und Tenside können jetzt noch leichter die wasserbindenden Substanzen (natural moisturozing factors – NMF) auswaschen. Die Haut wird träge, trocken und dünner. Hauptaufgabe der Kosmetik ist es, die Auswirkungen der Hautalterung zu mildern.
Sonne mag die Haut nur bedingt
Einen wesentlichen Beitrag zur Hautalterung trägt die Sonne bei, genauer die UVB- und UVA-Strahlen. UVB-Strahlen reichen bis in die Basalschicht und lösen damit den Bräunungseffekt aus. Angeregt durch Sonnenlicht produzieren Pigmentzellen Melanin, um die Haut zu schützen. Langzeiteffekte sind Pigmentstörungen und Lichtschäden. UVB-Strahlen dringen noch tiefer in die Lederhaut und schädigen irreversibel. Sie beschleunigen die Hautalterung (Photo-aging). Die “gesunde” Sonnenbräune gibt es laut Dermatologen nicht. Sonnencremen sollten nicht die Verweildauer in der Sonne erhöhen, sondern den Schutz vor der Sonne.

Zahlreiche Medikamente sind photosensibilisierend. Diuretika, Antidepressiva, Antibiotika oder so manche Pille zur Verhütung erhöhen das Risiko durch Sonnenstrahlen. Dermatologen empfehlen die Verwendung von entsprechenden Lichtschutzfaktoren in Cremen.

In Österreich werden jährlich etwa 3.200 Neuerkrankungen an schwarzem Hautkrebs registriert. Kinder bis zum 3. Lebensjahr sind besonders gefährdet, ihr natürlicher Schutzreflex ist noch nicht komplett ausgebildet. Die Haut bestimmt unsere Attraktivität, ob sportlich, jung, dynamisch, fahl, träge oder trocken. Sie richtig zu pflegen liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen.

Sie richtig zu beraten liegt in unserer Verantwortung.


 

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